culturelush
suck the marrow of life

           well-dressed is always a good decision 

             about the happy moments fashion offers 


Ein kleiner Vintage-Store, so einer in einer hübschen Seitenstraße eines flippigen Bohéme-Stadtviertels. Enge Gänge, mit Kleiderständern vollgestellt, die wiederum so vollbehangen sind, dass man nicht durch die Gänge passt, während man stöbert. 

Es ist so wunderbar, in den alten edlen Stoffen zu kramen, die Finger andächtig und ehrfürchtig hindurch gleiten zu lassen; Chanel-Kostüme, abgelegte Kleiderstücke von sehr wohlhabenden Damen; einen kleinen Schreck beim Umdrehen der Preisschilder zu bekommen. 

Hüte, Birkin Bags, Schlangenleder-Stiefeletten, Perlenketten, Seidentücher mit Polkadots im Fünfziger-Jahre-Stil... auch die Ladenbesitzerin trägt solche Dinge, ähnelt ihnen ein bisschen, diesen Fashion-Ikonen und sieht aus wie eine Mischung aus Jane Birkin zu ihren 70er-Jahre Zeiten und Grace Kelly zu ihren 50er-Jahren. 

Sanfte, angenehme Jazz-Musik im Hintergrund, vielleicht Bill Evans, einer der größten Jazz-Virtuosen aller Zeiten mit seiner Blütezeit ebenfalls in den 70er Jahren; abgewechselt von rauchigen kühlen Marlene Dietrich-Chansons. la vie en rose. 

Ja, bei diesen Momente, in denen das Leben in Rosa-Tönen gemalt ist, sollte man aufhorchen, innehalten, sie als solche identifizieren lernen. Wenn man das Leben schon mal in Rosa hat, das Privileg hat, eine rosarote Brille tragen zu dürfen, dann muss man diesen Moment belohnen damit, dass man einfach nur mal glücklich ist. Und dorthin zurückkehrt, hin und wieder, in diesen Vintage-Laden in der kleinen Seitenstraße. 




Jacqueline Kennedy Onassis 


Es fängt schon im Kleinen an, schon am Morgen mit dem ersten Blick in den Kleiderschrank, schon im Alltag von erst 15-jährigen Teenagern: Das eigene Auftreten an einer einflussreichen Person zu orientieren. Den eigenen Geschmack an dem einer Person auszurichten, die bereits von einer enormen Zahl an Menschen zum Vorbild genommen wurde. Den Stil einer Person zu imitieren, der offenbar eine so beeindruckende Botschaft vermittelt, dass der Titel „Stilikone“ absolut legitim zu vergeben ist. Aber zu einer Stilikone avanciert man nicht einfach so: Nicht Hinz und Kunz, ja nicht einmal Celebrity-Püppchen wie Kylie Jenner oder Taylor Swift, denen zumindest ein gewisser Grad an Modebewusstsein nachgesagt wird, könnten sich einfach so unter die erlesene Riege von Menschen mit modischer Vorbildfunktion einordnen.

Denn sich einfach so mit jemandem wie Jacqueline Kennedy Onassis, ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten und spätere Ehefrau des griechischen Reederei-Milliardärs Aristoteles Onassis, zu vergleichen, käme einer bloßen Unverschämtheit gleich.


Jackie Kennedy, eine der seltenen Persönlichkeiten, die es wahrhaftig verdient hat, als Stilikone bezeichnet zu werden, deren Stil etwas anhaftet, wofür sich die eigentlich simple Bezeichnung „i-Tüpfelchen“ perfekt anbietet. Denn anders kann man solche Kombinationen nicht beschreiben, die –zusammengesetzt aus Pillbox-Hüten, knalligen Kostümen und Perlenketten- von uniformierter Konventionalität zeugen und natürlich zum Großteil Jackies Rolle als Person des öffentlichen Lebens an der Seite von Präsident John F. Kennedy, dem wohl wichtigsten Staatsoberhaupt seiner Zeit, geschuldet sein dürfte. Doch gerade jene Details sind in der Mode unersetzlich, um klassische und zeitlose Wiedererkennungsmerkmale zu erschaffen. Genau sie machen Jackies extrem elegante, leicht in die französische couture eingehende Garderobe so vielseitig einsetzbar und zu verschiedensten Anlässen tragbar –egal, in welcher zeitlichen Epoche oder gesellschaftlichem Umfeld man sich auch befinden mag.

 Mit ihrem Stil hat Jackie nämlich das Kunststück vollbracht, nicht nur zu eigenen Lebzeiten der 1950,-60-und 70er-Jahre für angehaltenen Atem quer über dem Globus zu sorgen. Auch in den High-Fashion-Kreisen der Gegenwart behalten wesentliche Elemente des Jackie-Style unübersehbare Relevanz. Seien es Trenchcoats, bunte Tücher oder Statement-Gürtel eher leger ausgerichteter Freizeit-Looks, die Jackie nach ihrer Glanzzeit auf der politischen Weltbühne in der Zurückgezogenheit griechischer Urlaubsinseln bevorzugte, oder Off-Shoulder-Tops und die berühmte Jackie-O-Sonnenbrille als das heutzutage immer noch geltende Markenzeichen eines aufregenden Jetset-Lebens: Nicht umsonst wurden und werden Generationen durch vom Geschmack der dunkelhaarigen Schönheit mit den markanten Gesichtszügen inspiriert, die stets eine Aura des Geheimnisvoll-Unbekannten zu umgeben schien.
Wie es sich für echte Stilikonen gehört, habe Jacqueline Kennedy Onassis ihre Linie immer treu beibehalten, ohne jemals exzentrisch zu wirken oder von ihren Grundsatz-Ideen abzuweichen(Anna Wintour, ehemalige Vogue-Chefin).

Und Jackie selbst hätte zu ihrer eigenen bombastisch-eleganten Erscheinung wohl schlicht und bescheiden auf einen dieser Hauptgrundsätze verwiesen: “Classy is when a woman has everything to flaunt, but chooses not to show it“.

 

                            Grace Kelly/Gracia Patricia 

Kelly-Style, Kelly-Bag, Kelly- Banane –die Modewelt wurde definitiv geprägt von dieser blonden Schönheit mit den irisierenden grünen Augen und dem makellosen Teint. Alles, was mit Eleganz und Sanftheit zu tun hatte, wurde sofort auf Grace Kelly umgemünzt, oder auch Gracia Patricia, wie sie sich ab 1956 als Fürstin von Monaco nennen durfte. Kaum war man damals begeistert aus dem Kino nach einer Vorstellung von „Über den Dächern von Nizza“ oder „High Noon“ gegangen, war aus dem amerikanischen Filmstar aus Philadelphia plötzlich eine europäische Adelige geworden, die sich praktischerweise auch noch auf irisch-katholische Wurzeln berufen konnte. Umso mehr wurde ihrer populären Mode nachgeeifert, für die es nun nicht mehr nur auf dem Roten Teppich Möglichkeiten des Zur-Schau-Stellens gab, sondern sich verstärkt zu hochoffiziellen Zeremonien, humanitären Veranstaltungen oder Pferderennen in Monaco neue Präsentationsflächen erschlossen. Darunter das event watched by most people: Die rauschende „Jahrhundert“-Hochzeit von Gracia Patricia und ihrem Bräutigam Fürst Rainier III von Monaco in der monegassischen Kathedrale, von damals mehr als 30 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt und ob ihres Hochzeits-Looks aus spitzenbesetztem Kleid und zartem Schleier bis zum heutigen Tag gefeiert. 

Nichtsdestotrotz wehmütig dürfte die angehende Fürstin in ihre Ehe gegangen sein -angesichts der Tatsache, dass ihre gefeierten Tage sonstiger Art, nämlich als Hollywood-Filmstar, nun wohl gezählt waren: Bis zu ihrem tragischen Tod durch einen Autounfall im Jahre 1982 gab es kein Wiedersehen mehr zwischen Grace und Old Hollywood, so sehr es sich Alfred Hitchcock, Regisseur mehrerer ihrer berühmten Filme und heimlicher Verehrer, auch gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz erhielt sie dafür ihren Ruf als mustergültige, vorbildliche Stilikone auch durch die Zeit ihrer adeligen Position hinweg, steigerte ihn vielleicht sogar noch in ihrer Rolle als Fürstenmutter der Monegassen: Weg von besagtem Hochzeitsoutfit, das auch Herzogin Kate als Inspiration für den Wedding-Dress gedient haben soll, wird mit Grace Kelly Eleganz und Perfektion auf klassische, zeitlose, grazile Art und Weise verkörpert. Grace, eine Grazie natürlicher Schönheit, die zumindest an der Oberfläche nichts vom Prototyp einer Grazie – italienisch, temperamentvoll und feurig - zu besitzen scheint. Eher Distanz und Kühle strahlt die amerikanische Schönheit auf den ersten Blick aus – eine Attitüde, die sich jedoch laut Regisseur Hitchcock von einem schneebedeckten Berg in einen glühenden Vulkan verwandeln könne, wenn der Schnee schmelze.

 Ein solches Potential der Oscar-und Golden Globes-Preisträgerin muss natürlich nach Kräften hervorgehoben und unterstrichen werden – und zwar mit Mode, die einer der größten Charakterdarstellerinnen der USA entspricht. Kaschmir-Cardigans, ausgestellte Röcke, raffiniert gebundene Seidentücher -besonders attraktiv auf langen Fahrten im schicken Cabrio- ,die berühmte „Kelly-Bag“ (Damenhandtasche der Luxusmarke Hermés), die „Kelly-Banane“ (voluminöser Dutt am Hinterkopf) oder schlichte One-Shoulder-Dresses – faktisch existiert kein von Kelly getragenes Fashion-Piece, dem nicht elegante Zurückhaltung, Noblesse und Anmut anhaftet.Und solchen unvermeidbaren kritischen Stimmen, die den „Kelly-Style“ als zu bieder, konservativ und einer wahren Stilikone als nicht entsprechend bemängeln, muss bloß eine Fotografie vor die Nase gehalten werden – mit einer Frau in zwar schlichter Robe, aber umso akzentuierteren Ohrringen und auffällig nachgezogenen Lippen. Eine Frau mit halblangem, natürlich blondem Haar, das jedoch in glamouröse Hollywod-Wellen gelegt auf die Schultern fällt. 

Grace Kelly, eine Frau mit eisgekühltem Blick, hinter dem aber ein feuriger Vulkan brodelt.



Diana Spencer/ "Lady Di"


Ihre eigene Schüchternheit und Zerrissenheit überspielen, mit den erzkonservativen, steifen und starren Mitgliedern des britischen Königshauses umgehen und karitativen Einsatz für Benachteiligte zu ihrer Hauptaufgabe machen: Auch heutzutage würde man ihr den Titel „Königin der Herzen“ so ungeteilt verleihen, wie er schon ab dem Jahre 1997 ausnahmslos enthusiastischen Anklang überall auf der Welt fand. Das zum einen. Zudem könnte Lady Diana alias Diana Spencer aber auch mit einem Preis in puncto Stilsicherheit prämiert werden – und dabei nicht nur mit einem Blumentopf oder simplen Buchgutschein; nein, eine prunkvolle Medaille für einen der oberen Plätze in der Kategorie „Stilikone“ und „Modische Reife“ hätte sie verdient.Denn von einem schüchtern lächelnden Mädchen mit bauschigem Dauerwellen-Schopf und grauenvollen rosafarbenen Rüschenkleidern zu einer Dame im schulterfreien „Revenge-Kleid“ oder „Travolta“-Dress, die mit Coverstorys auf der Vogue, Elle oder Cosmopolitan zeitweise als am häufigsten fotografierte Frau auf der Welt galt, muss sich wohl eine enorme Verwandlung vollzogen haben. Schuld daran hatte – wenn man es denn unbedingt so sehen will- primär der arme Prinz Charles, Ex-Mann von Diana und Vater ihrer beiden Söhne William und Harry: Jahre des Betrugs mit Langezeit-Freundin Camilla Parker Bowles (übrigens auch keine schönere Dauerwellen-Frisur), die ihre Ehe dementsprechend unglücklich und einengend machten („There were three of us in this marriage, so it was a bit crowded“, Lady Diana), hatten eine modische Selbstentwicklung von Diana zufolge, die sie losgelöster und unabhängiger von konventioneller Königshof-Tracht machten. Und mit der endgültigen Trennung vom unpassenden Ehemann 1992 entluden sich sämtliche, bislang unterdrückten Impulse und kreative Energien in einem triumphierenden Mode-Knall: Erster öffentlicher Auftritt nach Bekanntgabe der Trennung in kleinem Schwarzen, äußerst verführerisch. Peng. Selbstbewusstes Auftreten einer Frau, die so gar nicht wie ein leidendes Ehebruch-Opfer wirkt. Im Gegenteil, eher Wonder-Woman im „Rache“-Kleid, der auch nach einem eigentlich für sie demütigenden Fernseh-Interview von Charles, in dem er seine Affäre gesteht, insbesondere die männliche Bevölkerung Großbritanniens zu Füßen liegt. Peng. Während ihr böser Ehemann einstimmigen Hassgelüsten insbesondere vonseiten der weiblichen britischen Bevölkerung ausgesetzt ist. PENG!


Um wie eine wahre Lady mit Unzulänglichkeiten im Leben umzugehen, bewahrt man vor den Augen der Öffentlichkeit ein bezauberndes Lächeln und beeindruckende Courage. Um sich jedoch wie eine triumphierende Neuerfindung seiner selbst in den Köpfen der Menschen als Ikone einzuprägen, bedarf es einer naturgegebenen Beziehung zu Mode und einem fundierten Verständnis für deren Charakter. Diana besaß beides; schaffte es, nach dem Trennungs-Rückschlag Mode für sich sprechen und zu einem neuen Symbol von weiblicher Unabhängigkeit und Macht werden zu lassen: In eng geschnittenen Tageskostümen ging sie ihrer philanthropischen Ader nach und besucht Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Obdachlosenheime. Mit neuer koketter Kurzhaarfrisur setzte sie sich für Abschaffung von Landminen ein und mit dramatisch-wehenden Roben war sie auf Staatsempfängen und Galas die ungeteilte Zielscheibe vergötternder Bewunderung. Allein ihre Anwesenheit soll nach diversen Augenzeugenberichten den ganzen Raum erstrahlt haben lassen – zumindest reichte jener Radius an Leuchtstrahlen aus, um dem damals fast schon gefallenen Schauspielstar John Travolta einen ordentlichen Karriere-Push zu verschaffen: Nach einer zehnminütigen Paartanzeinlage auf einem Gala-Abend konnte er nicht nur auf Kino-Leinwänden wieder weltweiten Ruhm mit seinem Namen erlangen, sondern auch –on top of that- für das dunkel-schillernde Kleid seiner schönen Begleitung Diana zielsicher vermarkten, das von Presse und Medien fortan als „Travolta“-Kleid betitelt wurde.
Nicht nur als avancierendes Fashion-Vorbild und strahlende Charity- Prinzessin jedoch konnte Diana die späten Neunziger als ihre Hauptjahre verbuchen: Je mondäner sie ihre Unabhängigkeit gestaltete, je einflussreicher sie ihre Medienpräsenz durchsetzte, je populärer sich ihr Gesicht und ihr Name auf zahlrechen Cover-Magazinen auf dem ganzen Planeten verbreitete, desto konfliktbehafteter entwickelten sich ihre Beziehungen zur „Ex“-Familie des britischen Königshauses. Verbunden musste sie deren Mitgliedern aufgrund ihrer Söhne Prinz William und Prinz Harry zwar wohl oder übel bleiben; aus altmodischen Kleidungs-Vorschriften und Image-Vorgaben löste sie sich jedoch erfolgreich, die sie in ihren Anfangsjahren als Prinzessin in braven Uniform-Kostümen und überladenen Plüsch-Kleidern gefangen gehalten hatten.


Eine glorreich entflohene Gefangene, die es als erste Frau des britischen Königshauses wagte, bei einem hochoffiziellen Elite-Empfang Hosen zu tragen, hat nicht unbegründet auf dem Zeitstrahl der modisch bemerkenswertesten Frauen einen Platz verdient. Eine lächelnde Schönheit, die trotz ihrer Schwierigkeiten im Leben einer britischen Prinzessin bei Besuchen in Blindeneinrichtungen extra Kleider aus Samt trug, um die visuell Benachteiligten wenigstens an der Weiche des Stoffes zu erfreuen, wird keinem anderen den Thron der „Königin der Herzen“ freiräumen.

(Und eine wahre „Lady“ wird Diana Spencer, trotz der für ihre adelige Position eigentlich fälschlichen Bezeichnung, immer bleiben).