culturelush
suck the marrow of life

            in lush. in love. in life 


Captured 24th November 

Warum ist uns die Wahrheit manchmal so fern? Warum erkennen wir nicht direkt, was das Beste für uns ist und lassen uns vollständig darauf ein? Warum brauchen wir immer erst mehrere Anläufe, um zu begreifen, was wirklich das Beste für uns ist? Es braucht des öfteren wirklich den berühmt-berüchtigten Tritt von hinten, um uns begreiflich zu machen, was wir wahrhaftig brauchen, wo die wahrhaftige Idee, die Idee hinter der Idee versteckt ist. Ja, es ist leidvoll, sich es eingestehen zu müssen, aber manchmal genügen eben nur mehrere Anläufe, um zu wissen, wo man wirklich hinsteuern möchte. Und dann kommt da noch das Problem mit der Akzeptanz dazu. Kennt ihr das, wenn ihr unmittelbar nach einer Entscheidungsfindung den nun eingelegten Weg auf einmal anzweifelt, euch erst hinterher einfällt, dass der andere Weg vielleicht besser gewesen wäre? Dann versucht ihr zu kämpfen, um doch noch irgendwie auf den anderen Weg B zu kommen, obwohl es keinen Sinn mehr macht, obwohl die Entscheidung für Weg A irreversibel fest steht und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Dann fällt es uns wirklich schwer, dran zu bleiben, es ist richtig hart für uns, sich überhaupt noch über Weg A zu freuen, für den wir uns anfangs doch eigentlich frohen Mutes entschieden hatten. 

Besonders hart ist es, wenn die Weisheit, Weg B als den richtigen zu erkennen, gaaaanz kurz danach kommt, wenn es nur einen Wimpernschlag braucht, um die Wahrheit zu erkennen – und es doch ein Wimpernschlag zu spät ist, um noch richtig zu handeln. Wie können wir damit umgehen, mit diesem vermeintlichen Fehler? Uns selbst beruhigen, indem wir uns vorhalten, dass es kein Richtig oder Falsch, sondern nur Erfahrungswerte im Leben gibt? Uns trösten, indem wir uns sagen, dass alles seine Vor-und Nachteile hat, um dann krampfhaft auf die Suche nach den Vorteilen von Weg A zu gehen (in der leisen Hoffnung darauf, dass sich doch noch etwas Positives an der Entscheidung finden lässt, mit der man doch so furchtbar hadert?) 

Das waren keine Lösungsvorschläge, sondern ich meine es ernst und frage noch einmal: Was kann man tun, um mit einer getroffenen Entscheidung nicht zu hadern? 


Captured 22nd November

a grey cold dark boring desperate sunday. 

Was tut man denn, an solchen Tagen? Wenn man aus Gründen, die nicht bekannt sind – oder einem selbst vielleicht schon bekannt sind, hier aber nicht näher erläutert werden müssen – ,  weder nach draußen an die Luft geht noch sich unter Leute und geselliges Treiben mischt noch die Handarbeitspuppen auspackt und sich mit einer Tasse Tee zum Häkeln niederlässt? Wenn man sich zu all dem nicht aufraffen kann und nicht weiß, ob es sich lohnt, überhaupt aus dem Bett aufzustehen? Denn darin hat man sich nämlich verkrochen und nicht vor, sich in den nächsten Jahren wieder daraus emporzuheben. Dafür sind die Kissen zu weich, und wenigstens gibt ein Bett einem wenigstens irgendwie Halt in solchen Tagen. 

Was Sonntage nicht alles zu bieten haben 

Aber es sollte nicht das Einzige sein, was einen aufmuntert. Da draußen sind noch viel mehr Dinge, denen wir es kaum zutrauen würden, uns in solchen Tagen Halt zu geben. Die Strick-Puppe oder das Häkelset, ein Beispiel. Daran kann man alle Schlappheit und Lebensmüdigkeit, die einem dieser graue Sonntag auferlegt hat, abgeben. Überhaupt ist es eine gute Idee, die innere Verdrossenheit an die Finger abzugeben. Man kann vor sich hin häkeln, stricken, basteln, im schlimmsten Fall Makramee-Technicken anwenden.  Ich wage zu behaupten, dass es vielen Menschen, darunter auch meiner Wenigkeit, im Normalfall stark widersprechen würde, so etwas zu tun. Nicht erst seit, sondern schon vor dem ätzenden Handarbeits-Unterricht in der Grundschule wusste ich, dass ich nie zu einer Strickliesl heranreifen würde. Da muss ich noch sehr wenige Jahre an Lebenserfahrung auf dem Buckel gehabt haben, aber zumindest darüber war ich mir weitsichtig im Klaren. Trotzdem habe ich es ausprobiert, an ebenjenem Sonntag der grauen Öde und in den vier Wänden schon eingefurchter Verzweiflung. Ich habe gestrickt und gehäkelt, all jene Dinge getan, die mir sonst zu albern erscheinen. (Bis auf Makramee, das habe ich nicht über mich gebracht. Diese Art von Langeweile ist tödlicher als alle Verzweiflung, die man an Sonntagen haben kann. Sorry. 😐 ). Ich bin nach draußen gegangen, zu einer Uhrzeit, die mir sonst viel zu früh erscheint, um den Tag überhaupt schon Tag werden zu lassen. Ich bin spazieren gegangen und habe Wege genommen, die mir sonst zu weit ab erscheinen, um überhaupt in Erwägung zu ziehen, diese zu betreten. Ich habe all das mal ausprobiert, was man an einem Sonntag nicht tun würde, weil man sich zu schlecht dabei fühlt, seine Lage aber auch nicht dadurch verbessert, dass man sämtliche Handlungen, die ein lebendiges Wesen ausmachen, unterlässt und nur auf weiche Kissen setzt. 

Stichwort Verhaltensmuster

Ja, es ist schwer für uns Menschen, davon loszukommen. Rund einundzwanzig Tage braucht der Mensch, um sich eine ungewohnte Verhaltensweise überhaupt erst anzueignen; wie lange es dauert, um diese wirklich zu verinnerlichen und zu festigen, da käme dann schon eine Jahresrechnung ins Spiel. Man muss also dranbleiben, und einen langen Atem dafür zeigen, so viel steht fest. Der Anfang ist schwer; der erste graue Sonntag, an dem man sich mit zusammengebissenen Zähnen gegen die Kissen im Bett entscheidet, ist grauenhaft. Aber es wird besser, am zweiten Sonntag ist man schon ganz stolz darauf, wie weit man mit dem Häkelschal gekommen ist und überlegt sich sogar schon, in welcher Farbe man das neue Wollknäuel auswählt. Den Einkauf plant man dann für den nächsten Sonntag, Nummer 3, ein, um dann vor verschlossener Tür des Bastelgeschäfts zu stehen. Stimmt, das haben Bastelläden an Sonntage so an sich.  Nun ja, dann legt man es eben auf den nächsten Tag, denn auch hinter den anderen sechs Wochentagen verstecken sich hin und wieder gemeine graue Sonntage: An allen Wochentagen kann der Nur-mein-Lieblingskissen-und-sonst-keiner-Sonntagsblues auftreten, an allen Tagen kann einem das undurchdringliche Sonntagsgrau die Sicht vernebeln. Umso wichtiger, sich auch an diesen Tagen von seinen alten Verhaltensmustern zu befreien, und trotz des Nebels die Strickliesl zu ertasten, sich trotz des Nebels nach draußen zu wagen, sich trotz des Nebels im Leben selbst aufzurichten. 

Denn es kann nur besser werden. Ich bin mittlerweile bei Tag 19 angelangt, nur noch zwei Tage, dann bin ich Profi in neuen Verhaltensweisen. Mein Kuschelkissen thront aber nach wie vor auf einem Ehrenplatz in meinem Bett. 

Captured 13th November 

Eine Krise als ein Geschenk des Lebens anzuerkennen, fällt schwer und ist auch das letzte, was einem in den Sinn kommen würde. Man lernt erst mit der Zeit, wie notwendig Krisen einfach sind, dass eine äußere Krise rückblickend gesehen in diesem Moment das einzige war, was einen aus der inneren Krise herausgeholt hat, in der man schon seit langem stagniert hat. Egal, wie hart diese äußeren externen Umstände waren und wie stark sie einen auch beeinträchtigt haben, man hat ja wieder herausgefunden. Hat sich herausgekämpft, mit langem Ringen und viel Schmerz. Schmerzen durch innere Wunden ausgelöst, die sich sonst womöglich gar nie gezeigt hätten sondern unter dem "Alles ist normal und gut"-Deckel des Alltagslebens vor sich hin geschwelt hätten. Jenem Alltagsleben, in dem etwaige Verletzungen und Sensibilitäten nicht aufploppen können und sollen, wir lassen es ja doch nicht zu. Keiner würde wagen, sein Innerstes einfach so auszulegen und vor den anderen zu präsentieren. Aber irgendwann entlädt sich alles Angestaute eben in einer  Welle, die alles zutage spült, was unterdrückt wurde. Und die reinigt, unheimlich wohltuend ist in ihrer ganzen Gewalt. Ja, es fühlt sich zuerst an, als würde man unter ihr erschlagen werden, unter ihr ersticken und weder ein noch aus wissen. Das geht aber vorbei mit der Zeit, es wird besser. Die Welle schwappt nur noch sanft über einen drüber und streichelt einen und es fängt überraschenderweise an, sich angenehm und gut anzufühlen. 

Dann ist nämlich ein Löwenanteil der Krise überwunden, und bald ist es sogar schon so weit, dass sich die ersten Effekte der Welle bemerkbar machen – mehr Stärke, mehr Resilienz. Mehr Selbstbewusstsein, Selbstfürsorge, Selbstvertrauen. Die Welle der Krise schenkt uns so einiges, mit dem wir nicht gerechnet hätten, das wir aber die ganze Zeit ganz dringend gebraucht haben. 

Nehmen wir es an, dieses Geschenk. Wir werden die Welle überwinden und unsere eigenen Fußstapfen im Sand für den Weg betrachten können, den wir durch die Welle hindurch zurückgelegt haben. 


Captured 04 November 


 Es ist immer Deine Entscheidung, wie Du Dich in der Welt, der äußeren und Deiner inneren Welt, positionierst. DU kannst die Haltung auswählen, mit der Du Dich dieser Welt präsentierst. DU kannst Dich aktiv dafür entscheiden, mit Ruhe, Weisheit und Klarsicht zu handeln. 

 DU kannst Dich entscheiden, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.

 (Und nicht wie obig abgebildete Rose umzuknicken und in ein schwarzes Loch zu fallen). 

Captured 27 October 


 Was uns nicht umbringt, macht uns definitiv stärker. Im Nachhinein sind wir doch stets dankbar dafür, dass sich unser Leben genau in diese Richtung entwickelt hat – denn genauso soll es auch sein. Die Dinge und Schicksalswege im Leben sollen so sein – sie sollen uns an unsere Grenzen bringen, sie sollen sich unerträglich und gemein anfühlen, das ganze Leben soll uns in manchen Momenten so vorkommen, als ob es alles andere als gut mit uns meint. Denn unsere schlussendliche Lebenskraft soll den Charakter all dieser Einschränkungen tragen, soll uns vor Augen führen, wie sehr wir gelitten haben und wie weit wir trotz allem gekommen sind. 


Captured 26 Oktober 


Wenn alles mal wieder schiefläuft, hilft ja immer noch Goethe; wenigstens um einigermaßen über die Runden zu kommen. Goethe gibt einem dann so Ratschläge wie, dass es nur ein "redliches Bemühen gibt" und unsere freie Natur "im Herzen wieder glühen mag". Und  in die höchsten Sphären seiner Gehirnkapazität kann man eh nicht aufsteigen, solange man ein "ungebundener Geist", sprich so verpeilt wie ich ist. Dann im Schlussakkord das zweite und letzte Terzett, das mir immer wieder einen Schauer über den Rücken laufen lässt, weil ich es so genial finde: 

Wer Großes will, muß sich zusammenraffen;
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

Mit zu viel Freiheit ist der Mensch also anscheinend überfordert, manchmal braucht es daher einen radikalen Einschnitt, krasse Einschränkungen – zum Beispiel so etwas wie Gesetze – , um sie wieder wertschätzen zu können. 

 



Captured 24 October 


Die Freiheit eines Waldspazierganges, eines Nachmittages an der Herbstsonne. Die Freiheit, seine Lungen mit ungefilterter Herbstluft und Sonne füllen zu können, und zwar in unbeobachtetem Areal, ganz für sich und in Unabhängigkeit. Was diese Freiheiten bedeuten, was sie wirklich wert sind, das wird einem erst bewusst, wenn man im eingeengten Raum sitzt. Eingesperrt und abgeschottet in sich selber, in einem kleinen engen Raum unseres Geistes. Der hält uns nämlich gerne gefangen, in Denkmustern und falschen Verhaltensweisen und gibt sich erstaunlich viel Mühe, uns darin gemütlich einnisten zu lassen. 

Umso stärker müssen wir uns darin üben, uns wieder zu befreien und über den uns selbst auferlegten Ketten zu stehen. 
Einzig und allein wir selbst können entscheiden, ob wir uns von uns selbst gefangen nehmen lassen - oder ob wir schon für den Frieden eines Herbsttages so dankbar sein können, dass wir uns mit aller Kraft für die Freiheit einsetzen. Denn al
leine die fantastische Vorstellung sich im Einklang mit der Natur macht das Leben doch schon lebenswert, alleine dafür lohnt es doch, sich aus den eigenen Ketten freizumachen. 





Captured 19 October

"Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt!"

 

Das Geschenk der Freundschaft tut sich manchmal in ganz unerwarteten Momenten auf. Dann stellt man fest, dass da jemand ist, der einen viel mehr wertschätzt als bislang angenommen, der einem selbst auch viel mehr bedeutet, als man bislang vermutet hätte. Denn mit Entfernungen ist es ja immer so eine Sache, sie können für die verschiedensten Formen an Beziehungen den Overkill bedeuten. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum hinweg nur sporadisch sieht – ja, wer zweifelt dann nicht hin und wieder daran, ob Substanz hinter dieser Beziehung steckt? 

Umso schöner, wenn man feststellen kann, dass es wahr ist, in diesem Fall zutrifft: Dahinter steckt etwas, und es ist echt. 

Es ist so echt, als dass diese Person seit langem wieder leibhaftig vor einem steht und man feststellen muss, wie anders ihre Gesichtszüge doch aussehen als durch verzerrte Zoom-Bildschirme, wie anders die Stimme dann doch klingt als durch blecherne Skype-Mikrofone. Man erhält die Chance, das Gesamtbild dieser Person nach all der langen Zeit kennenzulernen; Veränderungen, die sich festgesetzt haben und kleine Feinheiten, die sich alles wie zu einem bunten Kaleidoskop zusammenfügen und die Einzigartigkeit eines Charakters zum Vorschein bringen. Einmal mehr wird man sich bewusst, aus wie vielen kleinen Mosaik-Plättchen so ein menschlicher Charakter doch besteht – und wie dankbar man sein kann, zu genau dieser Konstellation an bunten Mosaiken die Beziehung wieder hergestellt zu haben. Ein guter Check, um herauszufinden, wie sehr einem die Substanz dieser Beziehung doch am Herzen liegt. 

Wenn der Check richtig gut läuft, ist es so echt, als dass die erste Umarmung so heilvoll ist, dass einem fast die Tränen in die Augen treten – und man sich ganz fest vornimmt, es nicht die letzte sein zu lassen. 


Captured 17 October 

Den Moment einfach so genießen, wie er gerade ist. 

Das klare Blau-Grün der Poolkacheln, der frische blaue Morgenhimmel darüber thronend, die Palmenwedel sanft auf-und abwogend. Meeresrauschen im Hintergrund, die Sonne geht langsam auf und glänzt immer orangefarbener. Sich darüber freuen, dann aber erst einmal wieder nichts tun. 

Sich nicht schon auf den Moment danach, wie etwa das leckere Frühstück freuen – denn dann würde man sich gedanklich schon mit der Zukunft auseinandersetzen. 

Auch den Genuss dieses Momentes nicht mit einem früheren vergleichen, aus einem anderen Sommerurlaub vielleicht – denn dann würde man gedanklich in die Vergangenheit rücken. Beides, schon das leise Abdriften in Vergangenheit und Zukunft verwirrt unsere Seele und zerreißt sie. 

Nur DIESER Moment

Wir müssen im Fokus auf diesen Moment bleiben, weder vor-noch rückwärts denken, und auch nicht werten. Ja, wir dürfen nicht einmal denken, wie vollkommen dieser Moment doch ist – denn dann reflektieren wir schon wieder und spüren nicht einfach nur. Nein, einfach nur kühle Ruhe, so kühl wie das Poolwasser. Der Fokus im Moment, der Moment im Fokus. Mehr nicht. 



Captured 03 October

Alleine jetzt schon im Zug, wenige Meter, nachdem sie den Hauptbahnhof verlassen hatten, kam es ihr der Anblick der Vorstadthäuser und kleinen gepflegten Vorgärten komisch vor. Ganz zu schweigen vom Anblick der stinkenden und verschwitzten Schulkinder, die in der mittäglichen Rushhour die Gänge des Zuges bevölkerten. Nein, sie wollte zurück in ihre kulturell-intellektuelle Blase, die ihr nur die Stadt bieten konnte. 

Besser, als zurück ins Dorf zu kehren; oh Gott, kaum vorzustellen, wenn sie eines Tages wieder zurück dorthin verschlagen sollte, in diese Käffer. 

Und doch war sie nun irgendwie wieder hier, in dieser Region, die sie wohl am ehesten noch mit so etwas wie Heimat assoziieren würde. Und sie war seltsamerweise dazu geneigt, während der Zugfahrt einfach aus dem Fenster zu schauen und die vertraute Landschaft an sich vorbeiziehen zu lassen. Je vertrauter und bekannter der Anblick, desto öfter hob sie den Blick von ihrem Laptop, wo doch eigentlich eine virtuelle Welt mit Aufgaben auf sie wartete, die viel wichtiger waren als die verranzten Bauernhöfe draußen. Aus unerfindichen Gründen löste dieser Anblick sogar etwas wie Freude in ihr aus, so sehr sie sich auch dagegen wehren wollte. Dann endgültig: Angekommen in der alten Stadt, und sie verfiel augenblicklich in das Netz aus Erfahrungen und Erinnerungen, das sich in den alten Straßen spannte, das dieser ort ihr zuflüsterte.

 Mum begrüßte sie schon ganz vorfreudig am Bahnhof. Und diese Vorfreude, dieses warme Lächeln...das ließ sie nun endgültig die schicke Blase der schicken Stadt, und das schicke neue Leben vergessen und sich auf zu Hause freuen. Zumindest für ein Wochenende. 



Captured 05/31/2020


Irgendwann kommt er, der Prozess der Erleuchtung.Er ist schon im Anmarsch,  wenn man für fünf Minuten einfach dasitzt und sich überlegt, dass die Blätter da draußen vor dem Fenster echt grün sind. Knackiges Mai-Grün. Und dass das echt schön ist. Man spürt sich selbst und seinen Atem, lässt den Kopf frei werden von bösen Gedanken. Es sind böse keckernde Kobolde, die einem hämisch immer wieder vors Auge flattern und in eine falsche Richtung lenken wollen. Sie wollen, dass man vor ihnen weiterhin einknickt, wie man es schon sein ganzes Leben lang getan hat. Sein ganzes Leben lang ist man doch nur vor ihnen eingeknickt. Man ist immer irgendwie mitgeschwommen, wurde mitgeschleift von diesen bösen Kobolden. Man hing jämmerlich zappelnd im Gepäck; zu besinnungslos, sich zu wehren und in Sicherheit zu bringen.

 Ja, in der Tat, man kann es besinnungslos nennen. Besinnungslos haben wir unser Leben begonnen, besinnungslos haben wir es weitergelebt, indem wir einfach dem Strudel der negativen Gedanken gefolgt sind und unseren wahren Geist unterdrückt haben. Wir haben uns unserer Kreativität, unserer Freiheit berauben lassen ; von hämischen kleinen Geistern, die sich in einer feindlichen Armee gegen uns aufgestellt haben. Wir haben uns nie gewehrt. Das hätten wir tun können, indem wir innehalten. Reflektieren, atmen, abwarten, was das Leben so bietet anstatt pausenlos dem Ochsen-Fuhrwerk aufzusitzen und sich durch den Dreck schleifen zu lassen. 

Abwarten und Earl Grey trinken und dazu britische Cookies aus Cornwall futtern oder meinetwegen Eisbecher verputzen, ungesunde Wagner-Pizza, oder Moringa-Porridge und Brokkoli-Hirse-Drink.... die Debatte um Superfood und Ideal-Ernährung  ist dann auch schon egal. Hauptsache das tun, was einem beliebt. Dazu noch ein Schuss Selbst-Reflexion, zumindest hin und wieder – und schon wären wir auf einem Weg, unser Leben zumindest nicht besinnungslos zu beenden. Ich schaue mir jetzt weiter grüne Bäume an. 



Captured 05/25/2020

Animum debes mutare, non caelum ("Du musst Deine Einstellung ändern, nicht den Ort", Seneca: Epistulae morales - Epistula 28). 

Mein Lieblingsphilosoph, der strenge römische Stoiker, verblüfft mich jedes Mal aufs Neue. Und dabei sind es keine philosophischen Abgehobenheiten im Elfenbeinturm, es sind absolute Einfachheiten, es ist die Simplizität seiner Aussagen, die uns zu denken geben muss. Es ist so einfach, glücklich und stoisch unbewegt von den Einflüssen der Welt um uns herum zu bleiben. Das ist es, was uns zu denken geben muss. Ein Fels in der Brandung all jener Nervositäten,  Irrungen und Wirrungen und bodenloser Bestrebungen zu bleiben, sich nicht vom einen ins andere Extrem peitschen zu lassen, sondern nach Seelenruhe zu streben. Wenn man überhaupt irgendetwas anstreben sollte im Leben, dann wäre es maximal, andere und vor allem sich selbst in Frieden zu lassen.  

Was auch immer Du tust, Du tust es gegen Dich.Durch diese Unruhe selbst schadest Du Dir, denn Du lässt einem Kranken keine Ruhe. Noch mal der Kollege Seneca. Er war übrigens auch davon überzeugt, dass man die Bestimmung von Nacht und Tag nicht vertauschen sollte und es eine wahrhaftig dumme Unart des Menschen sei, "den Tag abzulehnen und das ganze Leben in die Nacht zu verlegen" (Briefe an Lucilius). Ich verfasse am liebsten nachts Einträge wie solche - ob für irgendjemanden sinnvoll oder inspirierend, sei dahingestellt - und trinke dazu gerne Kaffee mit Hafermilch. (Ob diese Information sinnvoll oder inspirierend war, sei ebenfalls dahingestellt. Ich hoffe doch, denn Hafermilch ist echt lecker. Ich kann gar nicht mehr ohne. Viel besser als Mandelmilch oder Gott bewahre, Sojamilch). 

Mein eigener Lieblingsphilosoph würde mich aus seinem erlesenen Fan-Zirkel verstoßen, da ich seiner Meinung nach wohl unter jene Kategorie falle, die sich zum Ziel ihres "perversen Luxuslebens" gesetzt haben, "Freude zu haben an der Abnormität und nicht nur vom Normalen abzuweichen, sondern sich möglichst weit davon abzusetzen (...)" (Briefe an Lucilius, noch mal. Der arme Kerl). 

Wer sich ebenfalls davon angesprochen fühlt, ist eine Lektüre des strengen Weisen mit mahnendem Zeigefinger zu empfehlen (nicht länger als zwei Minuten für den Anfang, sonst bekommt man sich selbst gegenüber ein zu schlechtes Gewissen, weil das meiste auf so bittere Weise stimmt und man auf so bittere Weise feststellen wird, sein gesamtes Leben dagegen verstoßen zu haben). 

Wer meint, bislang alles richtig gemacht zu haben, besonders, was die Struktur seines Tages angeht  - der kann weiterhin seinem Carpe diem, quiesce noctem-Motto folgen. Und sich mit seinen Kumpanen zum Seneca-Fan-Treffen verabreden. Die Biergärten haben ja wieder auf.  


Captured 05/07/20

Man spürt es sofort  - das, was man heutzutage so Spirit oder Flow nennt. Man könnte auch einfach Quelle des Lichts sprechen, egal ob es dunkel oder hell ist. Denn wenn man meditiert, spürt man jene allumfassende Kraft in sich, es strömt nach außen vom Körper weg, verteilt sich in alle Welt genauso wie die Botschaft von Jesu' Auferstehung von tausend Zungen in die Welt getragen wurde.

Man könnte auch Energie dazu sagen. Jene Energie, die am reinsten und kraftvollsten ist, wenn man bei sich selbst steht  - und sich nie wieder verlässt. 



Captured 04/27/20 


Es war doch wirklich ganz wunderbar, in diesem Garten hier zu sitzen, die Bäume zu genießen, vielmehr den Duft nach Apfel-und Kirschblüten, den sie ausströmten. Und dann noch ein Blick auf den Fliederbusch, von der Spätsonne angestrahlt und sich den untergehenden Sonnenstrahlen richtig hingeben wollend. Der Garten etwas verwildert, sich aber zufriedengebend, zufrieden ausstreckend. Er will gar nicht gemäht werden, will gar kein Unkraut zupfen lassen. Die kleinen Glöckchen am Baum hängend, ganz ruhig, keinen melodisch-melancholischen Klirrklang von sich gebend. Es herrscht Windstille in den abendlichen Vorgärten und in den Herzen der Menschen. 


Captured 04/12/20


Einfach mal nur sein. 

Einfach laufen zu dürfen, ohne zu joggen. 

Einfach den Blick in die Sonne zu hegen, ohne den Rücken gerade und straff zu halten. 

Einfach mal weite Touren mit dem Auto zu ziehen, durch endlose Landstraßen und weite Felder zu ziehen, ohne Bildungs-Podcasts zu hören. 

Einfach mal zu lesen, ohne die Lektüre für eine Hausarbeit gebrauchen zu können. 

Einfach im Gras zu liegen, ohne mit Hummeln im Hintern aufspringen und nach etwas Vermeintlich Sinnvollerem suchen zu wollen. 

Einfach zu essen, ohne an Intervallfasten zu denken. 

Einfach zu schlafen, ohne den effektiven Nutzen des Ausgeruhtseins für Leistung zum Hauptgrund werden zu lassen. 

Einfach aufzustehen, ohne Meditation in den ersten Minuten zu brauchen, nur um mit dem jeden Tag neu begonnenen Leben irgendwie fertig zu werden. 

Einfach Musik zu hören, ohne die genauen Notenfolgen im Kopf mitzugehen. 

Einfach zu arbeiten, ohne nach ständigem "Mehr" zu streben. 

Einfach mal in sich hineinzuhören, ohne nach etwas Bestimmtem suchen zu wollen. 

Einfach sein, ohne sich zu hinterfragen. 


Captured 03/31/20


Ach, uns geht es doch eigentlich gut. Wir haben wahnsinnige Privilegien, können nichts anderes tun als spazieren gehen, Yoga-Sessions im Wohnzimmer mit einem hippen  Yoga-Lehrer am Bildschirm beizuwohnen, dessen motivierende Stimme uns sogar gute Laune verschafft, und Bio-Schokoladen-Kuvertüre einkaufen. Zu mehr sind wir nicht imstande, mehr ist nicht erlaubt, und noch läuft die Ökonomie ja gut, nich? 




Captured 03/26/2020


Kennt man das, wenn man einfach nur zurück in seine Vergangenheit will? Nicht einmal unbedingt in die früheste Kindheit, an die man eh nur verschwommen-verklärte Erinnerungen hat. So wie im Tragödie-Streifen, wenn vor dem inneren Auge des Protagonisten immer irgendwelche mit hellbraunem Farb-Filter unterlegten Erinnerungen an sich selbst vorbeiziehen, damals als Lockenkopf mit Sonnenhütchen, der auf einer farbenfrohen Blumenwiese herumgetollt ist.

Nein, so weit muss es eigentlich gar nicht gehen. Es reicht schon, wenn man in die letzten Sommermonate langt. Da will man hin zurück, in eine Periode des eigenen Lebens, die noch gar nicht so weit zurückliegt. Am Badesee damals, als sie zum ersten Mal selbst mit dem Auto fahren durfte. Sommernachmittage, Fahrt zum Badesee an Mohnblumenfeldern vorbei, die Haare wehend, ER mit fescher Sonnenbrille, der beizeiten seine Hand immer mal wieder vom Steuer nehmen und auf ihren Unterarm legen würde. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, als einfach dahin zurückzukehren.

Wer schon nach wenigen Monaten auf sein Leben zurückblicken und Nostalgie verspüren kann, der muss doch einfach glücklich sein.


Captured 03/28 0.26am


Sehr witzig, Zugbeobachtungen jeglicher Art durchzuführen. Ich kann schon verstehen, warum ausgerechnet in Zügen die allermeisten Krimis und Thriller ihren Anfang nehmen. Wenn man es recht bedenkt, handelt es sich hierbei ja auch um ein einzigartiges Szenario. Wir, die gesamte versammelte Mannschaft hier, haben – in einem abgeschlossenen Wagen – keinen Bezug zur Außenwelt. Alles, was uns hier passiert, teilen wir gezwungenermaßen miteinander. Wenn ein Schaffner hier einen überfällt oder misshandelt, sind wir gleichermaßen mit verantwortlich oder zumindest die einzigen, die helfen können. Von außen kann uns hier keiner beistehen, das haben wir schon selbst zu verantworten. 

Wir, die kleine Mannschaft hier in diesem ratternden Gefährt, der blinkend und geräuschlos durch die Dunkelheit braust. 


Captured 03/21 in the midst of the night 

Göttlicher Verfall

Zerrissen und mühvoll und schwindelig,

Ganz langsam, so wiegt sie im Kreis umher.  

Zerrissen und leicht und taumelig,

So wankt sie und kann bald nicht mehr

Feingliedrig und sanft,

Eine femme fragile, Zartheit in Person.

Die tänzelt am gefährlichen Rand,

Der schwanket und schwanket im Hohn.

Schon erste Balken beginnen sich zu biegen.

Doch sie ist so leicht, bald wird sie fliegen.

Blonde Haare und durchschein‘de Haut,

Ein zarter Engel, perlbestickt-schimmernde Braut.

Im eigenen Kosmos, ihrem Kokon verpackt,

Gestaltet sich alles als so fließender Akt.

Doch wehe sie verlässt ihn, den geschützten Raum,

Zerploppt jener luftig-bauschige Flaum

Aus Musik und Malerei und Philosophie.

Denn da ist sie nie, da ist sie nie:

Im Alltag der realen Welt,

Die nichts als Grobschlacht und Wahrheit enthält.

Nein, sie ist eine femme fragile,

Die Monet malt und Wagner spielt im Todesspiel.

Sich bis zum Ende dreht im Himmelsgewand

Flatternd und zitternd, aber nicht wie lodernder Brand,

Sondern leblos und kalt wiegt sie in Kreisen.

Kreisen, die auf unbekannte Sphären verweisen.

Sie hält es nicht mehr aus und steigt,

Bis von der wahren Welt nun nichts mehr bleibt.

Zart, so zart sollte mensch nicht sein:  

Denn am Ende ward ihr Leben nur schimmernder Schein.


Captured 03/19/ 8pm

Erwacht. Endlich. 
Ich sehe mein Gesicht im Spiegel, laufe zigtausendmal an einem Spiegel vorbei, erhasche im Vorbeirennen einen flüchtigen Blick auf mich. Mich mit meinen weit aufgerissenen Augen, die ungläubig zurückstarren und mich dann zu verfolgen scheinen. Den ganzen Tag über will mein Spiegel-Ich wissen, was ich tue und mich beobachten. 
Doch erst, als ich am Abend dort stehe und mich betrachte, scheine ich dem Anblick des Spiegel-Ichs standhalten zu können. 
Erst zu später Stunde halte ich inne, werde ruhig und schaue mich einfach nur an. 
Das Ich schaut zurück. 
Zunächst verkrampft, verzweifelt, noch immer ungläubig starren die dunklen Augen. 
Doch dann löst sich etwas. Sie werden heller, der Blick weicher, die ganzen Züge gewinnen an Aufwind. 
Endlich scheine ich zu erwachen, und mein Alter Ego gleich mit. 
Nach Jahr und Tag erkenne ich den Fehler, den ich begangen habe. Alle Fehler miteinander, die jedoch auf dem einen beruhen: 
In Unwissenheit über mich selbst zu leben. Mein Spiegelbild nicht zu kennen, nichts so richtig über die Person zu wissen, die da dahinter steht. 
Das Erwachen ist schreckhaft und ungläubig, anfangs. 
Es bessert sich, nach einiger Zeit, wird weicher und ruhiger. Innerlich ruhig und rein irgendwann.
Am besten sollte man es abends tun, dieses Erwachen. 


Captured 03/11/ between 8.32am and 9.1am

Wunderbar 
Über das weiche Feld zu laufen. Wie im Geisternebel bewege ich mich fort. 
Wunderbar, solche Pfade zu durchlaufen. Dort befinde ich mich an einem Zauberort. 
Morgens hier, im hohen Gras, von Tau bedeckt. 
Wenn die Sonne sich zaghaft hinter den Bäumen versteckt 
und die Stimmung so dunkel, so friedlich ist. 

Über das bläulich-dämmrige Tal und die Schatten der Wipfel, bevor das Licht bricht. 
Langsam, ganz langsam breitet sich ein Schimmer aus 
Unter dem Waldboden pocht er leicht und breitet sich aus. 
Langsam, nach und nach, füllt sich die Lichtung 
mit Licht. Und Energie und nochmal mit Licht. 
Das alles glitzern lässt bis zur Unendlichkeit. 
Einem den Atem raubt bis zur Unmöglichkeit. 
Nein! Es geht nicht mehr, man glaubt, man kann es nicht mehr. 
Aushalten, diese Schönheit der Stille. 


Captured 05/07/ 9pm

Angenehmes Treiben im Wasser. 
Ich werte nichts, lasse keinerlei 
Emotionen hochkommen. Alles ist gut. 
Ich treibe. 
Ich bin gut. Ich bin innerer Frieden, ich werte nicht. Ein tiefer innerer Frieden, der die Faust'sche Frage gar nicht erst stellen lässt. Angenehmes Treiben seicht 
im Wasser. 
Ein Ort völligen Friedens, völliger Harmonie und völliger Stille. Wohin die Zukunft 
mich auch führen wird. 
Egal, keine Wertung.


Captured 09/09/ very early


Manchmal sind die Tage von einem seltsamen Geist durchzogen. Wenn sich hinter Alltagsgeschehnissen eine zweite Wirklichkeit zu verbergen scheint, wenn ein feiner Schimmer alles zu benetzen scheint. 
Dann glitzert es wie Tau auf einem morgendlichen Feld, das Sonnenstrahlen reflektiert; oder wie die Sonne selbst, wenn sie durch das Walddickicht bricht. 
So ein Schimmer hängt dann über der der Welt und 
Nicht jeder kann ihn sehen – hinter den Banalitäten und Gewöhnlichkeiten. 


Captured 08/07/ time unknown

Erinnerungen… man soll sie nicht ständig in Gedanken mit sich herumtragen und darauf herumkauen, bis sie sich abnutzen und allmählich an Geschmack verlieren wie ein alter fader Kaugummi. 
Nein, der Flakon an schönen Erinnerungen soll für längere Zeit unbenutzt stehengelassen werden. Ja, man soll ihn sogar einstauben und unansehnlich lassen werden, damit der Duft dessen Inhalts irgendwann umso wundervoller und blumiger hervorstrahlen kann, wenn man den Flakon öffnet. 
In solchen Flakons, in solchen Gefäßen der Seele soll man Erinnerungen konservieren, um kosten und davon darben zu können, was das Leben doch zu bieten hat, wenn es sich einmal von seiner besseren Seite zeigt – gerade in Tagen, wenn es uns das Leben einmal wieder schwer macht und man suchend nach diesen Seiten herumirrt und sie einfach nicht findet. 
Thank you for all special memories, thank you, life. 



Captured 10/11/ exactly high noon 

Erinnere Dich immer wieder an das eine Glücksgefühl.  

Dieses von damals, dass du in den Tagen unter Pinienbäumen und neben zirpenden Grillen hattest.                          Oder jenes, als Du am See lagst, das glitzernde Wasser vor Dir spiegelnd, im Hintergrund die sanften dunklen Wipfel des Waldes, und Du auf einem Loungesessel mit einem leuchtenden Cocktail in der Hand. Chillige Bar-Musik im Hintergrund. Oder Dein Gefühl in den Tagen amerikanischer Sommerfrische, an der Atlantikküste mit den Weiten des Ozeans. 

Ein solches Vertrauen hattest Du damals in zukünftige Begebenheiten. 
Hege und pflege sie, jene Gefühle, auch in grauen Novemberwochen, in Momenten des Zweifels, der Missstimmung. 
Behalte Sie und lass sie so oft wie möglich ans Licht kommen, dieses Zirpen oder Rauschen der Sommerbrise. 


Captured 11/09/  a pretty good morning 

Mehr Natur müssen wir in unser Leben lassen, wir Menschen müssen uns der Mutter wieder annähern.  

Mit allen Sinnen erfahren müssen wir sie, fühlen, riechen, schmecken. 
Oder zumindest 
Sehen, 
wenn wir nicht unbedingt in Tannennadeln beißen oder unser Gesicht in Laubhaufen vergraben wollen.  
Oder zumindest das strahlende, in den Augen schon schmerzende Blau eines Himmels 
Sehen, 
Dem wir unsere Sorgen mitgeben können, der sie bereitwillig aufschnürt zu einem Päckchen und irgendwo verschwinden lässt. 
Irgendwo in seinen Weiten, irgendwo dort, wo das Himmelsband immer hellblauer, 
Irgendwann fast eins mit den gleißenden Sonnenstrahlen wird. 
Dort oben, 
an der Sonne, haben die Sorgen einen guten Platz.  


Captured 10/09/ just before midnight 

Loslassen. Gehen lassen, nicht mehr denken. Andere für einen denken lassen. Protagonisten und Erzählern das Feld überlassen. 
Das Abenteuerfeld, ein Ort blutrünstiger Kämpfe und strahlender Siege. Das strahlende Lächeln einer Märchenprinzessin, wenn sie vom umwerfenden Helden gerettet wird. 
Dabei sich selbst retten, in diesem mitreißenden plot. Sich in ein Buch, eine Lektüre und dabei sich selbst vertiefen. Die eigene Abenteuerwelt der Gedanken aufleben lassen. 
Sich selbst vergessen und erst nach Stunden wieder bemerken.  


Captured 09/09/ 3pm 

Der Großstadtlärm, das Getümmel.
Keine Ausweichmöglichkeiten vor anderen Menschen und keine Chancen zur Annäherung.
Kein Raum für sich selbst im Lebensraum der Großstadt und
kein Platz für andere im Platz des eigenen Herzens. 
Zu anonym, zu unpersönlich, zu flüchtig. 
Bekanntschaften, Händeschütteln, Wangenküsschen, echter Kuss und Schluss. Wohnungen im Hochhausapartment steil übereinander angeordnet, in der Dunkelheit 
wie blinzelnde Lichter.
Aber keine Wärme hinter den Wänden, nur Einsamkeit hinter verschlossenen Türen. 
Das, was man Urban lifestyle nennt, in Wahrheit nur eine etwas schickere Form des Alleinseins und der Isolation.



Captured 09/07/ 10 minutes after Midnight

Kann man wirklich glücklich sein? Wird es je möglich sein, den absoluten Gipfel des Glückes zu erreichen? 
Oder wird man wie Faust auf der Suche nach der Erkenntnis, auf der Suche nach dem höchsten aller Gefühle herumirren - und aus Verzweiflung sogar einen Pakt mit dem Teufel eingehen, nur um endlich anzukommen? Um den Irrweg zu beenden, sich endlich auf einer Rastbank wiederzufinden und die Aussicht über das Leben zu genießen? 
Sollte man sich nicht lieber gleich damit abfinden, das Faust'sche Gen in sich zu tragen und nie auf einem Augenblick verweilen zu können? 
Wenn da drin doch immer leise etwas zuckt, ein Organismus, der immer wieder vorstößt und immer mehr verlangt, der sich einfach nie zufriedengeben kann? 
Oft fliegen sie ja vorbei, solche Momente. Anfangs glaubt man, es endlich gefunden zu haben - das absolute Glücksgefühl, auf dem es sich zu verweilen lohnt.
Ja, das könnte es doch gewesen sein, dieser oder vielleicht jener Moment war es bestimmt. Aber es sind so viele, sie tauchen so flüchtig auf, und letztlich streifen sie einen doch nur. 
Dann wirkt es doch nur wie ein hilflos-halbherziger Ansatz: 
Ein gescheiterter Versuch, Momente zum Verweilen einzufangen. 
Ein gescheiterter Versuch, die Faust`sche Erkenntnis zu finden.